Delegiertenversammlung bekräftigt Zielsetzung der EAiD

Rückblick auf die Tagung vom 6.–8. April 2018 in Hofgeismar

Foto: Dorothea Hegele

Die Delegiertenversammlung (DV) entscheidet als Mitgliederversammlung der Evangelischen Akademikerschaft in Deutschland (EAiD) alle Angelegenheiten des Verbandes. In diesem Jahr standen u.a. grundsätzliche Überlegungen zur Zukunft des Verbandes zur Diskussion.

Insgesamt versammelten sich 32 Vertreter/innen der Landesverbände, des Bundesverbandes, der Arbeitskreise und der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) sowie weitere Gäste in der Evangelischen Tagungsstätte in Hofgeismar, um sich u.a. mit der vom Bundesvorstand (BV) vorgelegten Ausarbeitung „EAiD Quo vadis - Grundsätzliche Überlegungen zur Zukunft und Organisation der Evangelischen Akademikerschaft in Deutschland e.V.“ zu beschäftigen.

Vergewisserung und Beschlussfassung

Hintergrund der Diskussion war die Notwendigkeit, sich der inhaltlichen Zielsetzungen des Verbandes zu vergewissern, wie sie in der Satzung festgelegt sind, und organisatorische Konsequenzen aus der ungünstigen Altersstruktur zu ziehen, die es manchen Landesverbänden schwer macht, ihre Gremien ordnungsgemäß zu besetzten. Die Versammlung hat deshalb auf Vorschlag des Bundesvorstandes eine Satzungsänderung beschlossen, die es künftig ermöglicht, in Gebieten, in denen kein Landesverband mehr besteht, eine unmittelbare Mitgliedschaft zum Bundesverband zu begründen. Diese Mitglieder können ihre Rechte ebenfalls durch Delegierte wahrnehmen, die in den von der Delegiertenversammlung festgelegten Gebieten zu bestimmen sind. Die Versammlung kann zur organisatorischen Durchführung Gebietsbeauftragte benennen. Die Neuregelung hat den Vorteil, dass sie Freiräume schafft, die die Weiterführung der inhaltlichen Arbeit auch dort ermöglicht, wo die förmlichen Anforderungen des Vereinsrechts nicht mehr erfüllt werden können, ohne die Gesamtstruktur des Bundesverbandes zu gefährden. Daher empfahl der BV der Delegiertenversammlung folgende Beschlüsse zu fassen:

„1. Die Delegiertenversammlung bekräftigt die Zielsetzungen der EAiD, wie sie in § 1 der Satzung des Bundesverbandes festgelegt sind. Sie hält die Pflege der persönlichen Beziehungen ihrer Mitglieder und die aktive Teilnahme am Diskurs über aktuelle gesellschaftspolitische Fragen für wichtige Aufgaben der Verbandsarbeit. Der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung sind unverzichtbar für ihr Selbstverständnis. Die EAiD steht mit dieser Programmatik ein für die Wertsetzungen der christlichen Ethik und die Einhaltung von intellektueller und wissenschaftlicher Redlichkeit im gesellschaftlichen Diskurs.

2. Die Delegiertenversammlung hält fest an der Organisation der EAiD als Verband mit einer Doppelstruktur von Landesverbänden und Bundesverband. Im Sinne einer „Auffangfunktion“ wird in der Satzung die Möglichkeit für eine Mitgliedschaft eröffnet, die nur zum Bundesverband e.V. besteht. Die Delegiertenversammlung bleibt bis auf weiteres das oberste Vertretungsorgan der Mitglieder.“

Die Beschlüsse wurden einstimmig gefasst und waren vorbereitet durch Referate von Dr. Gunther Schendel vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD über Entwicklungstendenzen in der EKD bei der Konferenz der Landesverbandsvorsitzenden im November 2017 (siehe evangelische aspekte, Heft 1/2018, S. 47) und dem Bischof der Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein bei der Versammlung selbst zum Thema „Zur Situation der Kirche in einer säkularen Gesellschaft“.

Dr. Jörg Winter

Kernthesen des Vortrags von Bischof Hein zur Situation der Kirche in einer säkularen Gesellschaft

„Säkularisation“ bedeutet seit dem frühen Mittelalter die Übernahme von kirchlichem Besitz in andere, nichtkirchliche Hände, es meint wörtlich übersetzt: Verweltlichung. Daraus hat sich der Begriff der „Säkularisierung“ entwickelt, der den umfassenden Vorgang der schwindenden Bedeutung von Religion in einer Gesellschaft als einer wesentlichen Dynamik der Moderne meint. Der Begriff ist aber umstritten, weil er implizit eine Wertung enthält. Man kann darunter z.B. auch eine Befreiung verstehen. Je nach Einschätzung kann der Begriff Religionslosigkeit, Entchristlichung oder Entkirchlichung bedeuten und entsprechend strategisch eingesetzt werden. Aus Gründen der begrifflichen Klarheit orientierte sich der Vortrag am Begriff des „säkularen Staates“.

Die Bundesrepublik ist ein säkularer, weltanschaulich neutraler Staat, der sich nicht auf eine tragende Staatsideologie stützt, sondern auf den Willen der Wähler, das Gemeinwohl sowie bürgerliche Werte wie Freiheit, Gleichheit und Solidarität, also die allgemeinen Menschenrechte, die in der Verfassung formuliert sind und die im Rahmen der Gewaltenteilung die Richtschnur des politischen Handelns darstellen. Das ist die präziseste und einzig wirklich wertfreie Beschreibung dessen, was mit „säkular“ gemeint sein kann. Dafür stehen der Artikel 4 Grundgesetz und seine Ausdifferenzierung in Artikel 140 GG. Im Kern geht es um die Bewahrung der positiven Religionsfreiheit, die das Verhältnis von Staat und Religion im Verhältnis der „fördernden Neutralität“ beschreibt: Es besteht keine Staatskirche. Aber es gibt Verträge, die das Miteinander regeln.

Das zeigt sich im Prinzip der Subsidiarität, das für die Situation der Kirchen in der Bundesrepublik von besonderer Bedeutung ist. Die verfasste Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts ist kein Teil des Staates, sondern explizit ein Teil der Zivilgesellschaft. Als Teil der Zivilgesellschaft ist sie Teil der pluralen Öffentlichkeit, auch wenn sie nicht mehr die gesellschaftliche Mehrheit repräsentiert. Die angemessene Beschreibung der Aufgabe der Kirche im modernen säkularen Rechtsstaat ist aus dessen Sicht in der Wahrnehmung der Subsidiarität und aus unserer Sicht in der Verkündigung des Evangeliums gegeben, wobei die Wahrnehmung subsidiärer Aufgaben zugleich ein Ausdruck der Verkündigung des Evangeliums sein sollte. Aber sie erschöpft sich nicht darin! Gottesdienst, Unterricht und Seelsorge sind die Alleinstellungsmerkmale der Kirchen und Religionsgemeinschaften, durch die sie sich von anderen Organisationen unterscheiden! Folgende Punkte sind daher wesentlich:

1. Zur Etablierung eines funktionierenden Staatswesens sind Glaube und Religion nicht notwendig. Der Staat kann, abgeleitet aus der Souveränität des Volkes, von sich aus ein „guter Staat“ sein und als solcher seinen göttlichen Auftrag auch dann wahrnehmen, wenn er sich nicht daraus versteht. Die Zuschreibung eines „göttlichen Auftrags“ an den Staat ist eine (durchaus theologisch umstrittene) Glaubensaussage, kein Rechtssatz!

2. Der christliche Glaube bringt in den Staat ein Element der Rückbindung ein, das diesen darauf anspricht, dass er sich nicht sich selbst verdankt und in seinem Anspruch relativiert ist – was der Kirche wiederum erlaubt, sich der freiheitlichen und demokratischen Grundordnung angemessen zuzuwenden. Das war die ursprüngliche Richtung des Satzes des Verfassungsrechtlers Ernst-Wolfgang Böckenförde: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“ (Ernst-Wolfgang Böckenförde: Staat, Gesellschaft, Freiheit. Frankfurt am Main 1976, 60).

3. Wir müssen damit ernst machen, dass der öffentliche Einfluss der Kirchen allmählich zurückgeht. Wir stehen im Wettbewerb mit anderen gesellschaftlichen „Playern“. Das verstärkt die Aufgabe, selbstbewusst, aber nicht auftrumpfend die Lebensdienlichkeit des Evangeliums zu kommunizieren. Denn ihm liegt ein Verständnis von Mensch, Gesellschaft und Staat zugrunde, das auf Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung hin ausgelegt ist.

4. Deutlich ist, dass der christliche Glaube in seiner kirchlich verfassten Gestalt nur werbend, einladend, argumentativ und in wissenschaftlich verantworteter Weise am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen kann. Das erkennt der Staat insofern an, als er den Religionsunterricht auch weiterhin in die inhaltliche Verantwortung der Religionsgemeinschaften legt und Theologie als ordentliches Lehrfach an staatlichen Universitäten verankert.

Wir geben – in der Sprache der biblischen Tradition – „dem Kaiser, was des Kaisers ist“ (Matthäus 22,21), wenn wir uns als Kirchen aktiv an der Gestaltung des gesellschaftlichen Prozesses beteiligen. In diesem Sinne ist die Kirche auch weiterhin „Volkskirche“ aus dem „Volk“ und im „Volk“, auch wenn der Begriff „Bevölkerung“ aus historischen Gründen zu bevorzugen ist.

Die europäische Dimension dieser Fragestellung wird für die künftige Entwicklungen von Bedeutung sein, weil Religion seit einiger Zeit auch politisch wieder eine große Rolle spielt und der Begriff „Europa“ historisch eine religiöse Komponente hat, die sich z.B. in der problematischen Rede vom „christlichen Abendland“ niederschlägt. Es ist eine wesentliche Aufgabe des vielgestaltigen Christentums, im Pluralismus das Bewusstsein für Pluralität wach zu halten und so gerade als Kirchen die Fahne der Aufklärung und des verständigen Diskurses hoch zu halten. So können wir sowohl der weltanschaulichen Vereinnahmung des Staates als auch einer sogenannten „Entweltlichung“ des Glaubens und jeglichen Fundamentalismen etwas entgegensetzen. Der säkulare Staat und die säkulare Gesellschaft sind das Beste, was wir in der Geschichte bisher hatten, um in aller Freiheit die Freiheit zu gestalten, in die uns das Evangelium ruft.

Prof. Dr. Martin Hein

Bundesvorstand der EAiD neu gewählt

Mit Spannung wurden die Wahlen des Bundesvorstandes erwartet. Zu wählen waren turnusgemäß die Vorsitzenden, der Schatzmeister, sowie drei Beisitzer. Die Zahl der Beisitzer wurde im Voraus ebenfalls durch Beschluss der DV von zwei auf drei erhöht, da es sich in der Vergangenheit gezeigt hat, dass die Belastung der Mitglieder des Bundesvorstandes sehr hoch ist, insbesondere wenn ein gewähltes Vorstandsmitglied ausfällt und nicht zeitnah ersetzt werden kann. Die frühere Reduzierung des Vorstandes ist aus rein finanziellen Gründen erfolgt, die glücklicherweise so nicht mehr bestehen. Aus insgesamt sieben Kandidaten wurden sechs gewählt:

Dorothee Teschke, Bonn (Bundesvorsitzende)

Bereits zum dritten Mal wiedergewählt wurde die Bundesvorsitzende Dorothee Teschke, geb. 1942, zwei Kinder. Aufgewachsen in Wuppertal, Studium an der Pädagogischen Hochschule Wuppertal. Tätig im Schuldienst, zunächst als Konrektorin, später Rektorin einer Grundschule.

Mitglied bei der EAiD seit 1984, seit 2007 Vorsitzende des Landesverbandes Rheinland und seit 2012 Bundesvorsitzende der EAiD.

Prof. Dr. Jörg Winter, Karlsruhe (Bundesvorsitzender)

Im Amt bestätigt wurde Dr. Jörg Winter, geb. 1944, vier Kinder. Aufgewachsen in Lemgo/ Lippe. Studium der Rechtswissenschaft in Bochum und Freiburg i.Br. Promotion zum Dr. jur. in Freiburg. Direktor der Rechtsabteilung des Diakonischen Werkes der EKD in Stuttgart, Leiter Rechtsreferat beim Evang. Oberkirchenrat in Karlsruhe, Honorarprofessor für Kirchen- und Staatskirchenrecht der Universität Heidelberg (Juristische Fakultät).

Mitglied bei der EAiD seit 1980, seit 2007 Vorsitzender des Landesverbandes Baden und seit 2015 Bundesvorsitzender der EAiD.

Elke Münster, Nürnberg (Beisitzerin)

Neu im Bundesvorstand ist Elke Münster, geb. 1953. Aufgewachsen in Altenstadt. Studium der Theologie in Erlangen und Marburg, von 1989–2008 Studentenpfarrstelle in Würzburg, weitere Pfarrstellen in Nürnberg und Schweinfurt.

Mitglied bei der EAiD seit 2003, Verbindungsfrau zwischen ESG und EA im Vorstand des LV Bayern. Von 2008–2017 Vorsitzende des Landesverbandes Bayern, seit 2017 stellvertretende Vorsitzende im LV Bayern, Mitinitiatorin und Mitarbeiterin beim Nachwuchsseminar „Time out“.

Dr. Hans Birkel, Nürnberg (Beisitzer)

Wiedergewählt wurde Dr. Hans Birkel, geb. 1940, drei Kinder. Aufgewachsen in Rothenburg/Tauber und München, Pfarrer i.R. der Ev. Lutherischen Kirche in Bayern. Als Pfarrer tätig in verschiedenen Funktionen in Erlangen, München und Nürnberg, zuletzt dort als Dekan.

Seit 1974 Mitglied der EAiD, damals als Studentenpfarrer. Mitglied des Vorstandes der EA LV Bayern bis 1979, seit 2004 im Vorstand des LV Bayern, 2009–2017 Vorsitzender des Landesverbandes Bayern und seit 2010 Mitglied des Bundesvorstandes der EAiD als Beisitzer.

Rolf G. Freudenberg, Ludwigshafen (Beisitzer)

Ebenfalls neu gewählt wurde Rolf G. Freudenberg, geb. 1952, zwei Kinder. Aufgewachsen in Königsbrück/Sachsen und Homburg/Saar. Studium der Theologie, Pfarrstellen in Waldmohr/Pfalz und Homburg/Saar (verbunden mit Dekansfunktion), Vorstand im Landesverein für Innere Mission in der Pfalz e.V., seit 2013 im Ruhestand.

Seit 2013 Mitglied der EAiD, seit 2015 im Vorstand des Landesverbandes Pfalz/Saar, zuständig für die Homepage.

Michael Wuschka, Bochum (Schatzmeister)

Für eine weitere Amtszeit bestätigt wurde Michael Wuschka, geb. 1957, ein Kind. Aufgewachsen in Bünde/Ostwestfalen. Studium der Theologie in Bethel, Göttingen und Münster. Danach Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, Pfarrer in Bochum-Querenburg, seit 2016 im Ruhestand.

Seit 2008 Mitglied in der EAiD und seit 2011 Vorsitzender des Evangelischen Forums Westfalen. Seit 2014 im Bundesvorstand der EAiD als Schatzmeister.

Dem neu gewählten Bundesvorstand wünschen wir viel Freude und Gottes Segen bei seiner Arbeit!

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